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OB Klopfer kennt jetzt alle Partnerstädte

Unterstützt vom Partnerschaftsverein, stattete er seinen Antrittsbesuch in Tulle ab / Auch Dueville will Heirat mit Tulle

Bericht von Angelika Bührle (Text) und Ralf Beck (Text und Bilder)
aus den Schorndorfer Nachrichten vom 8.11.2007

Indian Summer und die Endeckung einer neuen Liebe - vom goldenen Dreieck zum magischen Quadrat: Diese beiden Themen beherrschten die diesjährige Reise des Partnerschaftsvereins in die französische Partnerstadt Tulle. Wie immer bei den vom Partnerschaftsverein organisierten Fahrten stand die Reise unter dem Motto "Land und Leute kennen lernen". Dazu kam diesmal der besondere Aspekt, dass Oberbürgermeister Matthias Klopfer der französischen Partnerstadt seinen Antrittsbesuch abstattete.

Gleichzeitig mit der Delegation aus Schorndorf war eine Gruppe aus der Schorndorfer Partnerstadt Dueville (Italien) in Tulle. Beim Empfang im Rathaus brachte Nivio Zanivan, Leiter der Gruppe, den Wunsch zum Ausdruck, die seit 1991 bestehenden Kontakte zwischen beiden Städten nach vielen Jahren der Verlobung nun ebenfalls mit einer förmlichen Städtepartnerschaft zu besiegeln. Die Schorndorfer hätten keinen Grund zur Eifersucht, dann nun könnten sich die Freunde aus den drei Städten noch viel öfter begegnen. Und aus dem goldenen Dreieck Tulle - Schorndof - Bury würde das magische Quadrat Tulle - Schorndorf - Bury - Dueville. Die baldige Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages wäre um so wichtiger, da sich in Tulle ein Generationenwechsel in der Führungsebene der Stadt abzeichnet.

Der in Abwesenheit des Oberbürgermeisters von Tulle, Francois Hollande, die Amtsgeschäfte wahrnehmende stellvertretende Bürgermeister Jean Combasteil hielt eine von Emotionen geprägte Ansprache, in der er bekräftigte, dass er mit gutem Gefühl die von ihm und seinem Kollegen Pierre Dietrich seit fast 40 Jahren gepflegte Städtepartnerschaft im nächsten Jahr in neue Hände weitergeben kann. Beide Herren stehen dann aus Altersgründen für eine erneute Kandidatur für ihr Amt nicht mehr zur Verfügung. Während seiner Rede wurde deutlich, dass ihm dieser Abschied sehr schwer fällt, da er während der vergangenen Jahre zahlreiche persönliche Kontakte nach Schorndorf hatte. Dietrich dankte in seiner Ansprache speziell Annemarie Heiderich für ihr Engagement und die vielen Übersetzungen, die sie im Laufe der Jahre bei offiziellen Anlässen vornahm.
 

OB Klopfer bedankte sich bei seinem ersten Besuch in Tulle für die Gastfreundschaft der Tuller. Er unterstützt die Idee der Städtepartnerschaften und wies darauf hin, dass er nun in seinem ersten Jahr als Oberbürgermeister von Schorndorf alle Partnerstädte besucht habe und die Unterstützung der Partnerschaften wie seine Vorgänger vorsetzen werde. Mit dem Austausch von Geschenken zwischen den Delegationen ging der offizielle Empfang zu Ende.

Vor dem Empfang nutzte OB Klopfer seine Anwesenheit in Tulle zum Knüpfen von Wirtschaftskontakten zwischen Firmen in Tulle und in Schorndorf. Klopfer besuchte am Nachmittag mit seiner Familie auf besonderen Wunsch das Maison des enfants, eine Kindertagesstätte für Kinder von 0 bis 3 Jahren. Da solche Einrichtungen in Deutschland auch immer wichtiger werden, wollte er sich einen Überblick über die in Frankreich üblichen Kinderbetreuungseinrichtungen verschaffen.

 

Für die 22-köpfige Reisegruppe war der Empfang im Rathaus fast der Abschluss des Aufenthalts in Tulle, der am Sonntagabend mit der Verteilung in die Gastfamilien begonnen hatte. Davor lagen zwei Reisetage mit Übernachtung in Annecy, das bei einem Rundgang erkundet wurde. Beim anschließenden Abendessen konnten Spezialitäten des Savoie wie Käsefondue und Tartiflette (Auflauf mit Kartoffeln und Käse) genossen werden. Am darauf folgenden Morgen wurde nach kurzer Busfahrt die südlich von Lyon liegende Stadt Vienne mit ihrer keltischen, römischen und christlichen Vergangenheit besichtigt. Die Weiterfahrt nach Tulle am Sonntag über Clermont-Ferrand und durch das Zentralmassiv war wegen des schönen Wetters (Indian Summer) und der fantastischen Baumfärbung sehr kurzweilig. Seit Fertigstellung der neuen Autobahn entfällt das zeitaufwendige Fahren auf der kurvenreichen Nationalstraße N89.

Am ersten Tag in Tulle besichtigte die Gruppe die alteingesessene Akkordeonfabrik Maugein sowie Poinct de Tulle, eine Gruppe von Damen, die sich regelmäßig treffen, um die Tradition der Stickkunst zu erhalten. Bei einem Rundgang durch die Stadt mit Baubürgermeister Jacques Tramont wurde den Teilnehmern die Stadtentwicklung der letzten Jahre erläutert. Besonders stolz sind die Tuller auf die neu gestaltete Uferpromenade und den veränderten Platz um die Kathedrale mit einem freigelegten Wasserlauf und farbigem Lichtspiel. Ein stimmungsvoller Abschluss des ersten Besuchstages war ein Konzert des Chores Burana in der Kathedrale mit auf Deutsch gesungenen Liedern, unter anderem von Brahms.

Beim traditionellen Partnerschaftsausflug nahmen die Vertreter aus Dueville, ein in Tulle anwesender Delegierter aus der gemeinsamen englischen Partnerstadt Bury sowie einige Tuller Freunde teil. Die Gruppe besuchte südlich von Tulle im Departement Lot die Wallfahrtsstadt Rocamadour mit ihrer schwarzen Marienstatue. Rocamadour ist nach dem Mont St. Michel der zweitmeist besuchte Ort in Frankreich. Zum Glück endet die Tourismussaison im Oktober und die Gruppe konnte ohne allzu viel Gedränge die mittelalterliche Stadt mit ihren über 200 Treppenstufen erkunden. Imposant sind die Felsüberhänge mit den darin errichteten Gebäuden und der darüber stehenden Kirche. Anschließend wurde die Gruppe vom Comité de Jumelage Tulle - Schorndorf zu einem Mittagessen mit regionalen Gerichten in Gluges an der Dordogne eingeladen. Auf dem Rückweg nach Tulle besuchte die Gruppe in Brive-la-Gaillarde einen literarischen Garten und eine Destillerie, in der auf traditionelle Weise Nusslikör hergestellt wird.

 Der letzte Tag begann mit einer Einführung in die Tradition der Chrysanthemen an Allerheiligen. In Frankreich werden für diesen Tag sowohl die Städte als auch die Gräber mit diesen Herbstblumen geschmückt. Nach dem offiziellen Empfang im Rathaus spielte abends zum Abschluss des Besuchs in Tulle die auch in Schorndorf bekannte Big Band de Jazz.

 

Am nächsten Morgen trafen sich Tuller, Dueviller und Schorndorfer zur Verabschiedung am Centre Culturel et Sportif. Während die Schorndorfer Gruppe mit dem Bus zwei Tage für die Heimreise eingeplant hatte, fuhren die Dueviller an einem Tag über Lyon und Turin zurück. Die Schorndorfer erreichten nach einem Halt in Paray-le-Monial  (ehemaliger Sommersitz der Äbte von Cluny) die Stadt Montbèliard am Rande des Juras. Bei einer Stadtführung am nächsten Morgen erfuhr die Gruppe vieles über die 400-jährige Zugehörigkeit von Mömpelgard zu Württemberg und über die 50-jährige Partnerschaft mit Ludwigsburg. Der anschließende Halt in Eguisheim im Elsass wurde zum Mittagessen und Choucroute garni und zum Weinkaufen genutzt.

Im Jahre 2009 wird das 40-jährige Partnerschaftsjubiläum in Tulle und in Schorndorf gefeiert. Das wird eine gute Gelegenheit sein, die Tuller Freunde wiederzusehen.

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Stand: 27. Juni 2009